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Casinonachrichten

Es bleibt schwierig für deutsche Casinos

19-Jun-2008, 09:44

„Faites votre jeu“ – der freundlichen Aufforderung der Croupiers, sein Spiel zu machen, kommen in den staatlichen Casinos zwischen Kiel und Konstanz immer weiniger Menschen nach. Die Folge: geringere Erträge, die auch die öffentliche Hand – Länder und Kommunen – schwer treffen. Die Zahlen für die ersten 100 Tage in diesem Jahr waren so ernüchternd, dass die Deutsche Spielbanken Interessen- und Arbeitsgemeinschaft (Desia) jetzt sogar Alarm schlug. Die Zwischenbilanz lässt für 2008 nichts Gutes erahnen. Im ersten Quartal schrieben die 80 Spielbanken ein Minus von 17,6 Prozent, der Umsatz sank auf 191,6 Millionen Euro (Vorjahr: rund 232,5 Millionen Euro).

Schwere Zeiten für die Spielbranche

Von den Einbrüchen nicht verschont geblieben ist auch das baden-württembergische Spielbanken-Trio Baden-Baden, Konstanz und Stuttgart. Hier sanken in den ersten drei Monaten die Umsätze um 17,4 Prozent. Peter Wolf, Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Spielbanken GmbH, blickt besorgt in die Zukunft und geht mittlerweile davon aus, dass sich das Minus bis Jahresende sogar auf „20 Prozent plus x“ erhöhen könnte. Noch 2006 hatten die drei Spielbanken im Land zusammen 103 Millionen Euro umgesetzt. 2007 waren es nur noch 95 Millionen (minus 8,4 Prozent) und in diesem Jahr schätzt Wolf den Ertrag gerade noch auf 80 Millionen Euro.

Das Staatssäckl freut sich ganz besonders

Das dürfte auch den Finanzminister nicht freuen. Denn der Südweststaat profitiert nicht schlecht von den Casino-Erträgen. 50 Prozent davon fließen in den Landeshaushalt. Aber auch für die Spielbank-Standorte selbst fällt Einiges ab: Stuttgart und Konstanz bekommen jährlich drei Millionen Euro, während Baden-Baden projektbezogen bezuschusst wird. Die restlichen Millionen fließen in Kultur und Tourismus.

Die Gründe für den Umsatzeinbruch sind vielschichtig. Da ist einerseits die wirtschaftliche Lage. „Unsere Kunden haben weniger Geld“, sagt Wolf. Hart getroffen hat die Südwest-Casinos andererseits das im August 2007 in Kraft getretene Rauchverbot, obwohl mit Raucherabteilen darauf reagiert wurde. Aber insbesondere das Automatenspiel floriert nicht mehr so wie zuvor. „Die privaten Spielhallen nutzen den Geist der Stunde“, betont der Spielbank-Manager. Spielhallen, die bisher Snacks und Getränke verkauft haben, würden dies nun kostenlos anbieten und somit das Rauchverbot legal unterwandern. Denn damit fallen sie nicht mehr unter die Rubrik gemischter Betrieb. Zudem gibt es keine Einlasskontrollen, wie es den konzessionierten Spielbanken durch den neuen Staatsvertrag auferlegt ist, der außerdem zum Schutz vor Spielsucht die Werbung einschränkt und Spielaufforderungen verbietet.

Insgesamt aber ist die Konkurrenz gewachsen. „Der Markt wird immer größer und das Geld verteilt sich immer mehr“, unterstreicht Wolf. Neben Casinos und Spielhallen sind längst auch das Internet (Wolf: „2600 Casinos bieten im World Wide Web Wettspiele an“) und TV-Anstalten mit Gewinnspielen (Wolf: „Ein Graumarkt an der Kante“) in das Millionengeschäft eingestiegen. Hinzu kommt „das illegale Spiel“ in verrauchten Hinterzimmern, das dem Spielbank-Chef zufolge zugenommen hat.

Neue Ideen sind notwendig

Auch für den 62-jährigen gelernten Betriebswirt ist derzeit guter Rat teuer, wie dem Abwärtstrend im Spielbanken-Sektor wirkungsvoll entgegengesteuert werden kann. „Wir müssen mit großen Einschränkungen leben“, macht sich Wolf, der 440 Mitarbeiter beschäftigt, keine Illusionen. Um zumindest die Besucherströme zu stabilisieren und damit auch die Erträge, setzt Wolf jetzt verstärkt auf Events, veranstaltet in den Casinos Modenschauen, Tanznächte und öffnet Firmen und Vereinen den Gastrobereich der Spielbanken für Feiern. „Essen, unterhalten, spielen“ lautet das Motto, mit dem er wieder mehr Menschen in die Casinos locken will. Die Spielbanken sollen zu einem „gesellschaftlichen Treffpunkt“ werden, so Wolfs Ziel.



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